Nachhaltigkeit

22.11.21

Der Anfang war Zufall bei Freitags

Die Taschen aus rezyklierten Lkw-Planen entstanden als Studentenhobby.
zVg FREITAG, Joël Tettamanti, Roland Tännler
Ösen und andere Metallteile können nicht verwendet werden, sie werden rezykliert.

Die Brüder Daniel und Markus Freitag studierten Grafikdesign in Zürich und lebten 1993 in einer Wohnung, in der ihnen die Lastwagen buchstäblich durch die WG-Küche zu donnern schienen. Für ihre täglichen Transporte suchten sie nach Fahrradtaschen, fanden aber keine – und kamen auf die Idee, Lastwagenplanen zu Taschen zu verarbeiten. Die bekamen sie günstig bei einem Fuhrunternehmer. Am Anfang war es ein typisches Studentenhobby für Freunde. Allerdings starteten sie gleich mit einem Schaden. Die beiden ruinierten die Nähmaschine ihrer Mutter und kauften sich danach eine gebrauchte Industrienähmaschine.

 

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Daniel & Markus Freitag

 

Die Taschen aus Lastwagenplanen, Sicherheitsgurten und Veloschläuchen waren beliebt, aber lange nicht als Geschäft gedacht. Die ersten waren nicht sehr schön und stanken. Auf die Idee, die Planen zu waschen, kamen sie erst später. Und auch dass jede Tasche individuell ist, merkten sie erst, als die zweite Serie aus anderen Planen völlig anders aussah.

 

Vom Hobby zur Firma
Mittlerweile ist aus dem Studentenhobby ein grosses Unternehmen geworden mit allein in der Schweiz 200 Angestellten, die in Zürich jährlich 640 Tonnen Lkw-Planen, 11 000 Fahrradschläuche und 150 000 Autogurte aufbereiten und für die Weiterverarbeitung in Osteuropa bereitmachen.

 

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Freitag war der Wegbereiter des Upcyclings: Die Firma stellt aus Lkw-Planen Taschenunikate her. Hier zerlegt ein Arbeiter eine alte Plane, aus der Accessoires entstehen.

 

Eine ganze Plane kann bis zu 60 Kilo wiegen.

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Die Freitags haben inzwischen auf der ganzen Welt Läden eröffnet und gelten als Pioniere des Upcyclings und als Impulsgeber für viele andere Ideen auf diesem Gebiet. Inzwischen machen sie viel mehr als nur Taschen und produzieren auch Kleider aus einem selbst entwickelten ökologischen Stoff namens F-Abric aus europäischen Bastfasern. Daniel und Markus Freitag wurden so zu Wegbereitern eines Trends, der in der heutigen Zeit überlebenswichtig ist – weniger wegwerfen, mehr wiederverwenden, Fridays for Future – Freitag für die Zukunft sozusagen.

freitag.ch

 

Beim Zerlegen wird das Fett von den Planen abgeschnitten: Sie werden von Ösen und allem anderen befreit, was nicht für die Taschenproduktion verwendet werden kann. Planenreste, Metall und Holz werden in einzelne Recyclingkreise eingespeist.
Die FREITAG Truck Spotters suchen in ganz Europa nach den schönsten Planen.
In den XXXL-Waschmaschinen ist Platz für ca. 10 Planenstücke, d.h. 50 bis 60 Kilogramm pro Waschgang (bei 65 Grad). Die Planen werden mit Wasser aus dem Regenwassertank gewaschen. Nach dem ersten Waschvorgang entziehen Wärmepumpen dem Schmutzwasser die Wärme und übertragen sie auf das saubere Regenwasser. Das letzte Spülwasser aus jedem Waschvorgang wird gesammelt und für den Spülvorgang der nächsten Planenladung wiederverwendet. Die gewaschenen Planen werden in einem separaten Raum mit Kaltluft getrocknet.
Die FREITAG-Taschen werden von langjährigen Partnern im In- und Ausland genäht.
Nach dem Nähen werden die Taschen in der F-abrik einer genauen Qualitätskontrolle unterzogen. Die Beutel werden dann in Kartons verpackt und an F-Dealer auf der ganzen Welt verschickt.

 


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