Nachhaltigkeit , Haus & Wohnen

19.11.20

Es geht auch ohne Emissionen

Das Reka-Feriendorf Blatten-Belalp nahm 2014 als Vorzeigeprojekt in Sachen nachhaltiger Energieversorgung den Betrieb auf. Hat sich das Konzept bewährt? Und wie reagieren die Gäste? Eine Bilanz nach sechs Jahren.
zVg Reka
Träger des Schweizer Solarpreises: Das Reka-Feriendorf Blatten-Belalp im Wallis ist ein Vorzeigeprojekt punkto Energieeffizienz.

Petrus meint es gut mit dem Ferienort Blatten oberhalb der Gemeinde Naters im Kanton Wallis: Das auf 1300 Metern über Meer gelegene Dorf gilt als besonders sonnen­verwöhnt. Diesen Umstand haben sich die Energie­planer beim Bau des Ferien­dorfs Blatten-Belalp der Schweizer Reisekasse (Reka) zunutze gemacht. Auf sieben der insgesamt neun Gebäu­de installierten sie Photovoltaik­anlagen, wo­bei vier davon als sogenannt hybride Solar­anlagen funktionieren. Zusammen mit einem saisonalen Erdwärme­speicher und einem System zur Wärmerück­gewinnung aus dem Abwasser bilden sie die Kern­elemente des nachhaltigen Ener­gie­­konzepts. Ziel war es, das Feriendorf emissions­frei und ausschliesslich mit erneuer­barer Energie zu betreiben.

 

Mehr Energie als geplant
Das Projekt im Wallis überzeugte von Anfang an. Im Dezember 2014 eröffnet, galt die Ferien­anlage als Leucht­turm­projekt des Bundesamts für Energie und erhielt 2015 den Schweizer Solarpreis. Doch wie hat sich die Energie­bilanz über die Jahre entwickelt, und funktioniert der Betrieb heute tatsächlich CO2-neutral? Anruf bei Matthias Sulzer. Der Professor für Energie- und Gebäude­technik hat das Projekt damals noch als Geschäfts­leiter der Lauber IWISA mit­verantwortet und stellt klar, dass das Energie­konzept hält, was es versprochen hat: «Das projektierte Ziel eines Eigen­energie­versorgungs­grads von 75 Prozent wurde bisher in jedem Jahr über­troffen.» Konkret heisst das: Seit 2015 werden rund 80 Prozent der im Feriendorf benötigten Energie vor Ort auf dem Areal produziert. Die restlichen 20 Prozent stammen aus dem Trinkwasser­kraftwerk der Gemeinde Blatten. Damit wird die Anlage ganz ohne Emis­sionen betrieben.

 

Eine «Systeminnovation», die gut funktioniert
Wie Sulzer erklärt, sind die im Reka-Dorf einge­setzten Techno­logien an sich gar nicht so innovativ. Das Besondere am Energie­konzept liegt in der Kombination aus hybriden Solarmodulen, Erd­wärme­sonden und einer Abwasser­wärme­rück­gewinnung. «Es ist ein Verbund von Komponenten, die orts­spezifisch so eingesetzt werden, dass sie ihre volle Wirkung entfalten können. Wir sprechen hier von System­innovation.» Konkret heisst das: Die hybriden Solar­module auf den Dächern der Wohn- und Gemeinschafts­häuser generieren gleich­zeitig elektrische und thermische Energie. Etwa 18 Prozent der Sonnen­strahlung werden über die Photovoltaik­module direkt in Strom umge­wandelt, die restliche Strahlung gelangt in Form von Wärme über einen Wärme­tauscher in die Erdwärme­sonden im Boden. Hier wird die Wärme gespeichert und bei Bedarf – zum Beispiel im Winter – zurück in die Heizungs­anlage des Ferien­dorfs befördert. Die dritte Kompo­nente schliesslich, die Anlage zur Abwasser­wärme­rückge­winnung, entzieht dem Abwasser aus dem Reka-Dorf Wärme, die ihrer­seits wiederum zur Aufbe­reitung des Warm­wassers mittels Wärme­pumpe genutzt wird.

 

Sonnenverwöhnte Lage: Die Ferienhäuser sind mit Solaranlagen ausgestattet.
Hält, was es verspricht: das ausgeklügelte Energie­konzept mit den unterschiedlichen Komponenten..

 

Den Gästen gefällt’s
Ein Blick auf die jährliche Gesamt­energie­bilanz zeigt: Das Reka-Feriendorf benötigte im Jahr 2019 wie schon in den Vorjahren weniger als 800 000 Kilowatt­stunden Energie – und damit weniger als die ursprünglich prognosti­zierten 870 000 Kilowattstunden. Laut Matthias Sulzer sind gewisse Schwankungen zwischen den Jahren üblich, denn ein kalter Winter oder eine hohe Belegung der Ferien­wohnungen lässt den Heiz- und den Warmwasser­verbrauch steigen. Insgesamt aber zahlt sich das Energie­­konzept aus – oder? «Definitiv», sagt der Experte, «spätestens nach den ersten zwei Saisons, als wir das Heiz­system noch etwas justiert hatten, funktionierte die Anlage wie geplant.» Statt auf hybride Solar­panels, die sich zwar bewähren, aber sehr teuer sind, würde Sulzer bei einem ähnlichen Projekt heute eher auf Photo­voltaik­anlagen in Kombination mit einem Luft­kühler setzen. «Das erzielt ähnlich gute Resultate und ist erst noch wesentlich günstiger.»Dass die Energie­versorgung auch in der Praxis funktioniert, betont Reka-Direktor Roger Seifritz: «Die Reaktionen seitens der Betreiber und der Gäste sind sehr gut.» Selbst zu absoluten Spitzen­zeiten – dann, wenn 300 Gäste nach dem Skifahren gleich­zeitig duschen und ihre Kleider trocknen möchten – laufe die Versorgung einwand­frei. «Der Zufrieden­heits­grad in Blatten-Belalp liegt sogar deutlich über dem Durch­schnitt unserer diversen Reka-Ferienanlagen.» Momentan verzeichnet das Walliser Reka-Dorf rund 40 000 Logier­nächte pro Jahr. Gemäss Seifritz sind die 50 Wohnungen besonders in den Winter­monaten gut ausgelastet, während die Anlage im Sommer «noch Potenzial nach oben» hat.

 

Nachhaltige Ferien
Die Schweizer Reise­kasse (Reka) verzeichnet jährlich über eine Million Über­nachtungen in ihren 22 Ferienanlagen und den vermittelten Ferien­wohnungen in der Schweiz und im Ausland. Im Rahmen ihrer Nach­haltigkeits­strategie versucht die Genossen­schaft, den Energie- und Ressourcen­verbrauch in den bestehenden Dörfern durch Renovationen stetig zu reduzieren. Bei Neubauten setzt sie auf energie­effiziente Gebäude und erneuer­bare Energie­quellen. Ende 2020 waren bereits drei Viertel der Anlagen klima­neutral. Je nach Standort dienen Holz, Boden­wärme oder Sonnen­kraft als Energie­träger. Zudem wird überall Strom aus Schweizer Wasserkraft bezogen.

 

Mehr über das Reka-Feriendorf Belap erfahren Sie hier

 


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