Nachhaltigkeit , Wissen , Ökologie

10.03.22

Es ist nicht alles Eis, was glänzt

Der Klimawandel hat in Grönland tiefe Spuren hinterlassen – Fotografin Roswitha Strothenke hat sie mit ihrer Kamera in eindrücklichen Bildern festgehalten.
Roswitha Strothenke
Und weg ist das Eis: Das schwindende Inlandeis kann Bodenschätze zum Vorschein bringen, das schmelzende Gletschereis hebt den Meeresspiegel an.

Die Erderwärmung hinterlässt in Grönland tiefe Spuren: Der tauende Permafrost lässt das Haupt­gebäude und Teile der Piste des Flughafens in Kangerlussuaq im Boden versinken. Zwei neue Bauten in Nuuk und Ilulissat sollen dieses Problem aus der Welt und gleichzeitig mehr Touristen auf die «grüne Insel» schaffen. Der Klimawandel bringt aber nicht nur Menschenmassen mit sich, er verändert auch Flora und Fauna. Bergstürze in Nuussuaq und Erdbeeren in städtischen Frühbeeten gehören genauso zur neuen grönländischen Normalität wie die florierende Forst­wirtschaft im Süden der Insel

 

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Bergstürze sind in Grönland aufgrund des tauenden Perma­frosts nichts Neues. Sie begraben ganze Dörfer unter sich und lösen Tsunamis aus, die weiteren Schaden anrichten. Ein Frühwarn­system fehlt, befindet sich zurzeit (2022) aber in Planung.

 

Die Inuit kämpfen ebenfalls mit den Folgen der Erderwärmung. Sie können ihren traditionellen Berufen nicht mehr nachgehen, ziehen in die Städte und finden dort kaum Arbeit. Doch als Meister der Anpassung fanden sie bisher immer einen Ausweg.

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Dass das schmelzende Inlandeis Bodenschätze freilegen und die Kassen der Grönländer füllen könnte, ist neben den Tourismus­einnahmen ein weiterer Pluspunkt auf der positiven Kehrseite der Klimawandel-Medaille. Ob damit die Probleme in den Ballungsgebieten – hohe Jugend­arbeitslosigkeit, übermässiger Alkohol­konsum und steigende Kriminalität – bekämpft werden können? Eines der unzähligen Themen, welche die einheimische Bevölkerung spalten. Immer mehr Inuit, die bis vor Kurzem in tra­ditionellen Siedlungen lebten, wohnen heute in Städten oder emigrieren – in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft – nach Dänemark.

Roswitha Strothenke, Designerin und Fotografin, kennt Grönland, vor allem durch ihren Mann. Dieser ist Helikopterpilot für Air Greenland, die nationale Fluggesellschaft, und ist in den Sommermonaten regelmässig beruflich auf der grössten Insel der Welt unterwegs. Die Wahlbernerin begleitete ihn bei seinem letzten Einsatz und hat dabei die Folgen des Klimawandels für Region, Einwohner und Tierwelt in Bildern festgehalten.

 

Denjenigen Häusern, die auf Felsen gebaut worden sind, kann der tauende Permafrost nichts anhaben. Doch viele Gebäude haben kein solides Fundament und sinken ab.
Die grösste Insel der Welt taut auf: Die grönländischen Gletscher schmelzen wegen der Erderwärmung und legen gleichzeitig neue Gesteins­formationen und fruchtbaren Boden frei.
Das von der dänischen Architektin Dorte Mandrup entworfene Eisfjord-Center in Ilulissat zeigt, dass die Moderne auch in Grönland Einzug gehalten hat. Viele weitere Bauten, wie beispiels­weise zwei neue Flughafen­gebäude, sind geplant, um den Tourismus anzukurbeln.
Was früher unvorstellbar war, ist heute Realität: Grosse Wohnblöcke dominieren immer mehr das Bild der Hauptstadt Nuuk, die sich vom Fischerdorf zur pulsierenden Begegnungszone gewandelt hat.
In der Hauptstadt Nuuk reihen sich moderne Bauten wie Dominosteine aneinander. Dem gegenüber stehen die farbigen Häuschen der Einwohner – ein Kontrast, den es kaum sonst wo so zu sehen gibt.
Nirgends sind die alte und die neue Welt so nahe beisammen wie in Nuuk, Grönlands Hauptstadt. Moderne Gebäude schiessen wie Pilze aus dem Boden, unmittelbar neben traditionellen Häusern.
Die Moderne hält in Grönlands Hauptstadt Einzug: Neben mehrstöckigen Gebäuden, futuristischen Museen und Hotels findet man in Nuuk auch mehrere Kunstfussballrasen.
Düstere Aussichten, selbst bei Sonnenschein: Aufgrund des stetigen Anstiegs der Temperaturen schwinden die Eismassen auf und vor Grönland.
Die Schlittenhunde, eines der Wahrzeichen Grönlands, langweilen sich während der Sommermonate an der frischen Luft, weil sie erst im Winter wieder zum Einsatz kommen.
Verrostete Autowracks, Schiffscontainer und Altmetall als Zeitzeugen: Sie legen schonungslos offen, wo es in Grönland noch viel zu tun gibt.
Dort, wo die Erde früher hart wie Stein war, finden sich heute Seen, Pfützen und Sümpfe. Dies, weil wegen des tauenden Permafrosts die Böden nach und nach aufweichen.
Geschmolzenes Eis, soweit das Auge reicht – wo früher eine dicke Eisschicht und Eisstrassen waren, passieren heute Fischerboote.

 


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