Nachhaltigkeit , Haus & Wohnen

13.06.21

Grüner die Dächer nie waren

Basel hat anderen Städten etwas voraus: So viele begrünte Dächer wie hier finden sich sonst nirgends. Die lokale Stadt­gärtnerei zeigt, weshalb sich das Bepflanzen lohnt und worauf zu achten ist.
Andreas Kofler
Dächer als Lebensräume: Das Tramdepot Wiesenplatz in Basel mit seinem auffälligen Wellendach ist eines von unzähligen Gebäuden in der Stadt, die mit einem grünen Dach punkten.

Die Stadt Basel hat früh damit begonnen, die eigenen Flach­dächer zu begrünen. Bereits im Jahr 1998 lancierte eine Experten­gruppe die Kampagne «Das bessere Flachdach». 135 Dächer mit einer Fläche von ungefähr acht Fussball­feldern wurden in der Folge neu bepflanzt. Und ein Jahr später verankerte der Kanton Basel-Stadt die Begrünung ungenutzter Flachdächer im kantonalen Bau- und Planungs­gesetz. Die damaligen Bemühungen tragen längst Früchte: Heute gilt Basel weltweit als die Stadt mit der höchsten Dach­begrünungs­quote mit rund acht Quadrat­metern pro Einwohner.

 

Ökologisch wertvolle Lebensräume
Um die positiven Erfahrungen aus Basel zu teilen, hat das Bau- und Verkehrs­departement des Kantons Basel-Stadt – namentlich die Stadt­gärtnerei Basel – im Juni 2020 eine Informations­broschüre zum Thema «Flachdachbegrünung» publiziert. Darin werden zahlreiche positive Effekte von grünen Dächern genannt: So sorgen diese beispiels­weise für ein besseres Stadt­klima, weil sie die Siedlungs­entwässerung entlasten, die Luft befeuchten und Schadstoffe aus der Luft filtern. Gleichzeitig schützen Pflanzen die Dächer vor hohen Temperatur­schwankungen, Niederschlägen und UV-Strahlen. Und schliesslich minimieren sie dank ihrer dämmenden Wirkung den Energiebedarf der jeweiligen Gebäude.

Ein weiterer Vorteil von begrünten Dächern: In stark verbauten Siedlungen bilden sie kleine Biotope und Lebensräume für unterschiedliche Tier- und Pflanzen­arten. Insbesondere Arten, die trockenwarme, von extremen Umwelt­bedingungen (Trockenheit, Frost usw.) geprägte Standorte bevorzugen, finden auf den Dächern geeignete Rückzugs­orte. Aber auch seltene, schützens­werte Tiere und Pflanzen lassen sich auf den grünen Inseln mitten in der Stadt nieder. Bepflanzte Flach­dächer sind damit ökologisch wertvolle Ausgleichs­flächen, die in urbanen Gebieten zur Steigerung der Bio­diversität beitragen.

 

Tipps von Experten
Damit die Pflanzen auf den Dächern gut gedeihen, ist die Wahl der Vegetations­tragschicht, des sogenannten Substrats, entscheidend. Schichten mit einem hohen Anteil an Feinboden und Humus können viel Wasser speichern und reduzieren das Risiko von langen Trocken­zeiten. Gemäss der Stadtgärtnerei Basel eignen sich zur Bepflanzung von Stadt­dächern vor allem kurzlebige Pionier­pflanzen, die Trockenheit und Hitze, aber ebenso Nässe und Kälte gut vertragen. Einige Beispiele sind: Wiesen-Schafgarbe, Wilde Möhre, Weisser Mauerpfeffer, Wiesen-Glockenblume, Feld-Kresse, Acker-Vergissmeinnicht, Glatter Löwenzahn und Saat-Mohn. Auch der Zeitpunkt des Aussäens ist wichtig: Mitte März bis Ende April und September bis Oktober sind ideal.

Darüber hinaus empfehlen die Experten, neben geeigneten Pflanzen auch Ast- oder Holzhaufen sowie Sand- oder Kies­flächen auf den Dächern anzubringen. Holz dient vielen Tier- und Pflanzen­arten als Versteck und Über­winterungsort. Und Sand oder Kies sind für einige Insekten­arten gar lebens­notwendig. Heuschrecken etwa brauchen entsprechende Flächen, um ihre Eier abzulegen. Was den Unterhalt und die Pflege von begrünten Flach­dächern angeht, ist eine regel­mässige Kontrolle zentral. Die Stadt­gärtnerei Basel rät, die Vegetation einmal jährlich fach­gerecht zu pflegen, um sie zum Beispiel von gebiets­fremden Arten (Neophyten) zu befreien, die sich stark ausbreiten. Immerhin müssen Flach­dächer – wenn sie profes­sionell bepflanzt wurden – in den meisten Fällen nicht regel­mässig bewässert werden. Das Regenwasser sollte ausreichen.

 

Weitere Informationen finden Sie in der zitierten Broschüre der Stadtgärtnerei Basel.
Hier geht es zum Download

 

Dieser Artikel beruht auf folgenden Quellen:
Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt, Stadtgärtnerei Basel: Broschüre «Flachdachbegrünung», 2020.
Zürcher Umweltpraxis (ZUP) Nr. 97: Anpassung an den Klimawandel/Naturschutz, 2020.


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