Energieversorgung , Haus & Wohnen

08.09.22

Die Energie aus dem Wald

Der Krieg in der Ukraine führt zu einem Boom bei Holzfeuerungen und beim Brennholz.
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Holz ist – neben der Wasserkraft – die einzige nennenswerte einheimische Energiequelle der Schweiz. Doch sie könnte noch mehr genutzt werden. Nachdem Russland im Februar 2022 die Ukraine angegriffen und in der Folge eine Energiekrise ausgelöst hatte, hat Holz nun plötzlich an Attraktivität gewonnen. Manche besinnen sich, dass da noch ein ungenutztes Cheminée oder ein schon lange nicht mehr eingefeuerter Kachelofen steht. Von den rund 500 000 Holzfeuerungen in der Schweiz wird nur rund ein Fünftel regelmässig genutzt. Allerdings dürften es im Winter 2022/2023 wieder merklich mehr sein. Bauern und Forstbetriebe werden überrannt mit Brennholzbestellungen, und die Preise dafür haben ebenfalls schon etwas angezogen.

Grosses Potenzial
Förster und Waldbesitzer freut das. Denn in der Forstwirtschaft werden kaum Bäume nur zur Produktion von Brennholz gefällt. Energieholz fällt automatisch an, denn lange nicht jeder Stamm taugt zum Bau von Häusern oder Möbeln oder zur Produktion von Papier. Dazu kommen die Abschnitte, das Sägemehl und die Hobelspäne aus der holzverarbeitenden Industrie, die oft zu Holzschnitzeln oder zu Pellets für grosse, automatisierte Heizsysteme werden.

Insgesamt wurden im Jahr 2020 laut der Schweizerischen Forststatistik 4,8 Millionen Kubikmeter Holz geerntet. Davon waren rund 40 Prozent Energieholz. Den jährlichen Holzzuwachs beziffert aber der Interessenverband Holzenergie Schweiz auf 9 bis 10 Millionen Kubikmeter. Das Potenzial für eine verstärkte Nutzung ist demnach sehr gross – ohne Schädigung der Wälder und in einer Weise, dass die Wälder schneller verjüngt werden.

Sinnvoll ist dabei die Nutzung in industriellen Anlagen, etwa für Prozesswärme, Dampf und Strom, aber auch mit Pelletsfeuerungen in automatischen Zentralheizungen oder mit grösseren Holzschnitzelfeuerungen in Fernheizsystemen und Mehrfamilienhäusern.

Moderne Cheminées und Kaminöfen
Auch das klassische Cheminée und der Kachelofen kommen wieder mehr zum Zug. Hier gibt es moderne Varianten, etwa Öfen, die mit Sand gefüllt werden und die Wärme bis zu zwölf Stunden speichern. Dank hoher Abbrandtemperaturen produzieren sie kaum Feinstaub. Sowohl für Cheminées wie auch für Kaminöfen gibt es sogenannte wasserführende Systeme, die einen Teil der Wärme des Ofens ins Heizsystem der Zentralheizung einspeisen und somit besonders effizient sind.

Der beste Freund einer jeden Holzfeuerung ist der Kaminfeger. Wo schon lange nicht mehr gefeuert wurde, muss er erst einmal sicherstellen, dass der Kamin noch in Ordnung ist und sich keine brennbaren Materialien wie etwa Vogelnester drin befinden. Er kontrolliert auch, ob sich im Kamin keine brennbare Schlacke gebildet hat. Die hat etwa die Konsistenz von schwarzen Meringues und entsteht, wenn zu feuchtes Holz verfeuert wird. Sie begünstigt Kaminbrände, welche die Feuerwehr kaum löschen kann und die oft in der totalen Zerstörung eines Hauses enden. Der Kaminfeger gilt nämlich vor allem deshalb als Glücksbringer, weil es früher in jenen Häusern, in denen er regelmässig zu Besuch kam, nie brannte. Das hat bis heute seine Gültigkeit.

Kompliment vom Kaminfeger
Brennholz sollte deshalb möglichst trocken sein und nicht gleich nach dem Kauf verfeuert werden. Was insbesondere von Baumärkten als «trocken» verkauft wird, hat oft noch eine erhebliche Restfeuchtigkeit. Am besten lagert man das gelieferte Brennholz deshalb nochmals mindestens einen Sommer lang vor Regen geschützt an einer möglichst sonnigen und dem Wind ausgesetzten Stelle. Der Trocknungsvorgang wird sichtbar mit dem «Setzen» der Holzbeige: Das Volumen der trockenen Holzscheite schrumpft, und die Beige wird sichtlich kleiner. Holz von einer solchen Beige garantiert das schönste Feuer, die beste Nestwärme und ein Kompliment vom Kaminfeger.

 


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