Mobilität

25.01.18

«Viele Detailprobleme sind noch zu lösen»

Land um Land verkündet den Abschied von Verbrennungsmotoren. In der Schweiz ist es ruhig. Energie- und Mobilitätsfachmann Peter de Haan erklärt, weshalb das so ist und was zum Durchbruch fehlt.
zVg EBP Schweiz AG
Die Elektromobilität rauscht unaufhaltsam auf uns zu. Damit sie sich auch in der Schweiz durchsetzt, muss vor allem die Infrastruktur einheitlicher erscheinen, so Peter de Haan.

Haben Sie Ihren Tesla schon bestellt?
Peter de Haan: Unser Benzinauto fährt am Wochenende die Kids zu Sporthallen in der Region, in den Sommerferien durch ganz Europa. Ein Plug-in-Hybrid mit sieben Plätzen wäre ideal.

Sind E-Autos reif?
Angebot und Vielfalt der Modelle wachsen. Die Autohersteller wollen alle Modelle mit verschiedenen Antrieben anbieten: Verbrennungsmotor, Hybrid oder rein elektrisch. E-Autos sind zwar in der Anschaffung teurer, dafür sind Wartung und Unterhalt sehr günstig. Zudem sind sie in vielen Kantonen steuerlich begünstigt, und die Treibstoffabgaben entfallen. Ich schätze, sie setzen sich ab 2025 im Massenmarkt durch.

 

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Zur Person
Peter de Haan ist Gruppenleiter bei der EBP Schweiz AG und ETH-Dozent. 

 

In anderen Ländern verbietet man Verbrennungsmotoren. In der Tat. Wobei das nicht für Hybridautos gelten würde. In der Schweiz wird das zurzeit nicht gefordert. Symbolische Massnahmen mit vielen Ausnahmen liegen uns nicht. Vor einem Verbot sind viele Detailfragen zu klären. Etwa, welche Fahrzeugkategorien ausgenommen sein sollen. Es macht noch länger keinen Sinn, die Feuerwehr zu elektrifizieren.

 

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Normierte und weit herum sichtbare Ladestationen würden die Elektromobilität fördern. (Illustration: Infel AG)

Weil die Batterie ein Problem ist?
Nicht unbedingt. Es wird viel geforscht. Die Technik macht Fortschritte. Die Wahrnehmung der Ladeinfrastruktur ist das weit grössere Problem. Der Autofahrer ist unsicher, welche Steckertypen unterstützt werden und wie die Bezahlung funktioniert. Vor allem gibt es keine Wiedererkennbarkeit: Ladesäulen werden in der Schweiz nicht als allgegenwärtige Infrastrukturen wahrgenommen. Sie sind nicht normiert.

 

Ein politischer Auftrag?
Ja. In der föderalistischen Schweiz empfiehlt sich der Weg über eine Verordnung für die Ladeinfrastruktur, in der geregelt wird, welche Steckertypen eine öffentliche Ladesäule anbieten soll und dass die Bezahlung ohne vorgängigen Vertrag möglich sein muss. Alle neu erstellten Parkplätze, egal ob öffentlich oder privat, sollten für Stromanschlüsse vorbereitet werden müssen – etwa, indem Leerrohre verlegt werden. Die späteren Kosten für die Nachrüstung werden sonst sehr hoch sein.

 

Lohnt sich der ganze Aufwand, sind Elektrofahrzeuge wirklich ökologischer als Verbrenner?
Ja, sogar wenn Elektroautos mit dem heutigen Strommix der EU betrieben werden, emittieren sie 20 Prozent weniger Treibhausgase. In dieser Rechnung sind Produktion und Entsorgung der Batterien eingeschlossen. Der EU-Strommix wird sich in Zukunft weiter verbessern. Aber natürlich sollte eigentlich jedes Elektroauto mit Strom aus erneuerbaren Quellen geladen werden. Weil die Autos im Betrieb immer sparsamer werden, steigt der Anteil der sogenannten grauen Energie am Ressourcenverbrauch über ihren Lebenszyklus hinweg. Vor zehn Jahren betrug dieser bei einem durchschnittlichen Auto 10 Prozent, schon beim Toyota Prius sind es aber über 20 Prozent.

 

Werden wir genügend Strom haben?
Zwar werden E-Autos den Stromverbrauch erhöhen – in der Schweiz um rund ein Fünftel, wenn die ganze Flotte umgestellt würde. Wegen der höheren Effizienz wird der Energieverbrauch als Ganzes aber sinken. Elektroautos könnten auch gut Strom aus Photovoltaik aufnehmen, der unregelmässig anfällt. Dazu kann auch eine stationäre Batterie im Haus verwendet werden. Sie könnte so zur Stabilität unserer Stromverteilnetze in der Zukunft beitragen.

 


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