Der Weg zu neuen AKW ist noch lang
Zwar hat die bürgerliche ständerätliche Kommission mit ihrem klaren Entscheid den Neubau von AKW angestossen, doch das Ziel ist noch weit entfernt.
Zwar hat die bürgerliche ständerätliche Kommission mit ihrem klaren Entscheid den Neubau von AKW angestossen, doch das Ziel ist noch weit entfernt.
Technologieoffenheit in Ehren: Aber wer die Energiewende mit günstiger, breit verfügbarer Technologie ausbremst und stattdessen für AKW fant, handelt unredlich. Die wahre Mitte sieht anders aus.
Langsam ermüdet mich das ideologische Gezänk von allen Seiten der Politik. Um mal kurz beim Kern zu bleiben, ganz vereinfacht beschrieben: Die Energiewende ist mit breit verfügbarer und verhältnismässig günstiger Technologie bereits auf dem Weg. Eine Frage der Vernunft: Investoren bevorzugen erneuerbare Energien. Die Stromunternehmen der Schweiz wollen derzeit keine AKW bauen. Warum auch: Die Netze nehmen eine Vielzahl von dezentraler Produktion und gespeicherter Energie auf und verteilen sie. Das funktioniert im Sommer bereits so gut, dass der Strompreis (nicht die Netzkosten) in Richtung Null sinkt. Im Winter besteht noch eine Lücke, die wir mit mehr Solarfassaden, neuen Solarzellen-Technologien, Energiespeichern und mit Windenergie füllen können. Und mit Importen.
Soweit so gut. AKW hingegen sind eine alte Technologie, an der zwar fleissig geforscht wird und immer wieder neuer Schlagzeilendampf erzeugt wird, doch so genau weiss niemand, was hier die Zukunft bringt. Weniger strahlender Müll? Weniger Risiken für die Schweiz? Finanzielle Planbarkeit? Zudem ist die AKW-Produktion in der Schweiz seit Monaten reduziert, und niemand hat es bemerkt. Kleinere AKW in grösserer Zahl sind übrigens auch nicht unbedingt die Lösung, wenn schon Windrad-Projekte in den Hinterhöfen der NIMBYs scheitern. Ein Schwarm von Kühltürmen in Gösgen sieht zudem nicht besser aus als ein Windpark. Fakt ist: Neue AKW könnten frühestens ab 2050 in Betrieb gehen. Eher später.
Wollen wir darauf warten? Eher nicht. Damit würden wir der Schweiz schaden, Mensch und Wirtschaft. Redlich wäre, die Energiewende zu beschleunigen und gleichzeitig offen zu bleiben für neue Produktionsformen. Diese müssten einige Kriterien erfüllen, die mit einer möglichen Aufhebung des Bauverbotes zu definieren wären. Das wäre eine wahre Politik der Mitte: die Anforderungen an ein AKW der Zukunft zu bestimmen und rechtlich zu verankern, anstatt mit einer pauschalen Aufhebung des Bauverbots bloss eine Politshow zu bieten.