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Das Pionierprojekt entsteht oberhalb von Klosters auf 2000 Metern über Meer. (Madrisa Solar AG)
Das Pionierprojekt entsteht oberhalb von Klosters auf 2000 Metern über Meer. (Madrisa Solar AG) - ©EKZ
Solarstrom

Madrisa Solar

Madrisa Solar ist ein alpines Solarkraftwerk der Gemeinde Klosters, Repower und EKZ. Die Solaranlage hat Ende September 2025 damit begonnen, Strom ins Netz einzuspeisen – als erste alpine Solaranlage im Rahmen des nationalen Solarexpress. Das alpine Kraftwerk hat im ersten Winter mehr Strom produziert als prognostiziert: Bei einer Leistung von etwas mehr als zwei MW produzierte die Anlage im Prättigau im ersten Winterhalbjahr von Oktober bis März rund 1,5 Mio. kWh Strom.

Madrisa Solar ist ein alpines Solarkraftwerk der Gemeinde Klosters, Repower und EKZ. Die Solaranlage hat Ende September 2025 damit begonnen, Strom ins Netz einzuspeisen – als erste alpine Solaranlage im Rahmen des nationalen Solarexpress. 

Das alpine Kraftwerk hat im ersten Winter mehr Strom produziert als prognostiziert: Bei einer Leistung von etwas mehr als zwei MW produzierte die Anlage im Prättigau im ersten Winterhalbjahr von Oktober bis März rund 1,5 Mio. kWh Strom.

Im Endausbau wird das Solarkraftwerk 17 GWh pro Jahr produzieren, davon über 40 Prozent im Winterhalbjahr. Die Gesamtinvestition beträgt 70 Millionen Schweizer Franken.

Die Akteure

Madrisa Solar AG – die Bauherrin – wird von drei gleichberechtigten Partnern getragen:

Repower AG (Bündner Energieunternehmen): Bringt technisches Know-how und Managementkapazitäten ein. Da Repower bereits über genügend eigene erneuerbare Kraftwerke verfügt, wird der Strom nicht selbst genutzt, sondern an EKZ und die Bergbahnen abgegeben.

EKZ (Elektrizitätswerke des Kantons Zürich): EKZ produziert im Gegensatz zu Repower zu wenig eigene Energie, um die Kundinnen und Kunden zu versorgen. Deshalb ist EKZ in der Lage, die auf Madrisa produzierte Energie langfristig abzunehmen und reduziert dadurch das Preisrisiko bei der Energiebeschaffung.

Gemeinde Klosters: Grundeigentümerin des Standorts. Gemeindepräsident Hansueli Roth: Klosters als Energiestadt will neben den bisherigen Wasserkraftnutzungen mit der Beteiligung an Madrisa Solar einen Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien leisten.

Weitere beteiligte Akteure: Fanzun AG (technische Projektleitung/Architektur), Klosters-Madrisa Bergbahnen AG (Stromabnehmerin vor Ort), sowie regionaler Unternehmen für Planung und Bau.

Zeitlicher Ablauf 

  • Juni 2023: Bekanntgabe der Pläne; Repower plant zusammen mit der Gemeinde Klosters und den Bergbahnen den Bau.
  • 22. Oktober 2023: Das Stimmvolk der Gemeinde Klosters hat dem Vorhaben zugestimmt.
  • August 2024: Die Bündner Regierung erteilte die Baubewilligung.
  • November 2024: Bauentscheid durch die Madrisa Solar AG.
  • 4. Juni 2025: Spatenstich – die offiziellen Bauarbeiten beginnen.
  • 24. September 2025: Madrisa Solar hat begonnen, Strom ins Netz einzuspeisen – als erstes alpines Solarkraftwerk der Schweiz. Rund 15 Prozent der Anlage speist Strom ins Netz.
  • April 2026 (aktuell): Die zweite und grösste Bauetappe startet Anfang Mai. Ziel ist es, bis November rund 70 Prozent der 11-MW-Anlage ans Netz anzuschliessen.
  • Ende 2027: Geplante vollständige Inbetriebnahme.

Politischer Hintergrund: Der Solarexpress

Der Solarexpress zielt darauf ab, rasch zusätzliche inländische Winterstromproduktion zu ermöglichen, da in dieser Zeit die Gefahr einer Strommangellage am grössten ist. Das Schweizer Parlament hat mit der Verabschiedung von Artikel 71a des Energiegesetzes Ende September 2022 den Solarexpress lanciert. Das Gesetz ermöglicht einen schnelleren Bewilligungsprozess sowie Subventionen von bis zu 60 Prozent der anrechenbaren Investitionskosten.

Die Bedingung: Anlagen müssen bis zum 31. Dezember 2025 mit mindestens 10% ihrer Produktionskapazität ans Stromnetz angeschlossen sein. Madrisa Solar hat diese Vorgabe mit rund 15–20 % klar übertroffen.

Warum ist das Projekt wichtig?

Winterstromlücke: Die Schweiz produziert im Winter weniger Strom als sie verbraucht und ist auf Importe angewiesen. Im Mittelland beträgt der Winterstromanteil von PV nur rund ein Viertel der Jahresproduktion. Alpine Anlagen wie Madrisa liefern über 40% im Winter – dank Höhenlage, weniger Nebel und dem Albedo-Effekt durch Schnee.

Pionierprojekt: Madrisa Solar speiste als erstes alpines Solarkraftwerk der Schweiz im September 2025 Strom ins Netz ein. Es dient als Referenzprojekt für alle anderen Solarexpress-Anlagen.

Bifaziale Module & Albedo-Effekt: Es zeigte sich, dass die Leistung nach dem ersten Schneefall dank des Albedo-Effekts um rund 15 Prozent zunahm, begünstigt durch die bifazialen Solarmodule, die auf beiden Seiten Strom produzieren.

Lokale Selbstversorgung: In Kombination mit den eigenen Solaranlagen der Bergbahnen wurde bereits deutlich mehr Energie erzeugt, als während der gesamten Wintersaison für den Betrieb benötigt wurde.

Kritik

Stiftung Landschaftsschutz Schweiz: Schon jetzt sind die Dimensionen beachtlich. Solche umfangreichen Bauwerke greifen durch ihre Grösse und technische Erscheinung massiv in die alpine Landschaft ein. Der wichtigste Schluss lautet: Freistehende PV-Anlagen gehören an Orte, die bereits bebaut oder intensiv genutzt sind.

Auch zur Ökobilanz äusserte die Stiftung Bedenken: Das Verhältnis der Unterkonstruktion aus Stahl zur Menge der Solarmodule ist bei alpinen PV-Anlagen ungünstig. Höhenlage und Witterung verlangen eine starke Statik, die nicht nur Geld, sondern auch enorme Mengen an grauer Energie und CO₂ kostet. Zudem kritisierte sie, dass alpine PV-Anlagen sich einzig und allein wegen der Produktion von Winterstrom rechtfertigen und die Entwicklung von Speichermöglichkeiten vorangehen müsse.

Nebelspalter: Bezeichnete die Anlage als „Landschaftszerstörung im Namen der Umwelt".

Eidgenössische Finanzkontrolle: Die Finanzkontrolle kritisierte, dass Effektivität, Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit zugunsten der PV-Grossanlagen in den Alpen nicht genügend sichergestellt seien.

Wirtschaftlichkeit: Die Kosten für alpine Solaranlagen sind sehr hoch und es ist schwierig, Abnehmer für den teuren Strom zu finden.

Madrisa Solar — Kenndaten
Alpines Solarkraftwerk · Solarexpress

Madrisa Solar

Klosters-Prättigau GR · 2'000 m ü. M. · Erste alpine Solaranlage der Schweiz

Leistung
11
MWp (Endausbau)
Jahresproduktion
17
GWh / Jahr
Winteranteil
> 40
% im Winterhalbjahr
Investition
70
Mio. CHF
Standort & Technik
StandortGebiet «Züg», oberhalb Klosters Dorf
Flächeca. 156'800 m² (≈ 15,7 ha)
Moduleca. 25'200 bifaziale Solarmodule
Solartischeca. 3'170 (Endausbau)
AusrichtungSüd, Unterkante min. 3 m ab Boden
Versorgungca. 3'500 Haushalte
NetzausbauGering — bestehende Infrastruktur
Akteure — je ⅓ Beteiligung
RP
Repower AG
Technik & Bau
EK
EKZ
Stromabnahme
KL
Gem. Klosters
Grundeigentum
Meilensteine
Juni 2023
Projektbekanntgabe
22. Oktober 2023
Gemeindeversammlung Klosters: Ja
August 2024
Baubewilligung Kanton GR
4. Juni 2025
Spatenstich
24. September 2025
Erste Einspeisung — 15–20 % am Netz
Mai 2026
2. Bauetappe → Ziel 70 %
Ende 2027
Vollständige Inbetriebnahme
Erster Winter 2025/26 — Erwartungen übertroffen
1,5 Mio. kWh produziert bei über 2 MW Leistung — mehr als prognostiziert. Albedo-Effekt durch Schnee steigerte die Leistung bifazialer Module um ca. 15 %. Die Solarexpress-Vorgabe von 500 kWh pro installiertem kWp wurde klar erfüllt.

Chancen

  • Bewährte Governance: Die paritätische Beteiligung hat das Vertrauen der Bevölkerung gestärkt und war entscheidend für die positive Abstimmung im Oktober 2023. Projekte scheitern oft an lokaler Opposition, wenn sie als rein externe Vorhaben wahrgenommen werden.
  • Übertrifft Prognosen: Die Produktion im ersten Winter war höher als erwartet und erfüllt die Solarexpress-Vorgabe von 500 kWh/kWp klar.
  • Vorbelasteter Standort: Die Anlage ist gut in die bereits heute durch das Skigebiet Madrisa belastete Landschaft integriert. Der erforderliche Netzausbau ist gering.
  • Ökologische Kompensation: Im Gebiet Rufinetia realisiert die Madrisa Solar AG gezielte ökologische Ersatzmassnahmen auf einer rund 15'500 m² grossen Fläche eines Trockenwiesen-Objekts von nationaler Bedeutung.
  • Regionale Wertschöpfung: Planung und Umsetzung durch vorwiegend regional ansässige Unternehmen.
  • Modellcharakter: Zeigt, dass alpine Solaranlagen technisch machbar sind und in einem realistischen Zeitrahmen realisiert werden können, wenn alle Stakeholder kooperieren.

Referenzen & Links

QuelleLink
ee-news.ch – Betriebsstart-Artikel (April 2026)ee-news.ch
Repower – Projektseite Madrisa Solarrepower.com
EKZ – Madrisa Solarekz.ch
Swissinfo – Erstes alpines Solarkraftwerkswissinfo.ch
Blick – Madrisa Solar am Netzblick.ch
SRF – Solarexpress Analysesrf.ch
Stiftung Landschaftsschutz – Exkursionsberichtsl-fp.ch
Stromzeit – Portrait & Übersicht alpine Solaranlagenstromzeit.ch
Baublatt – Baubewilligungbaublatt.ch
Madrisa Bergbahnen – Nachhaltigkeitmadrisa.ch

 

Fazit

Fazit: Madrisa Solar ist ein Vorzeigeprojekt des Schweizer Solarexpress — sowohl was die demokratische Legitimation (Volksabstimmung), die Partnerstruktur (paritätische Drittel-Beteiligung), als auch die technische Umsetzung betrifft. Die Kritik von Landschaftsschützern und Finanzaufsicht ist ernst zu nehmen, wird aber dadurch abgemildert, dass der Standort im bereits touristisch genutzten Skigebiet liegt und der Netzausbau gering ausfällt. Ob sich das Modell wirtschaftlich langfristig trägt — ohne die grosszügigen Solarexpress-Subventionen von bis zu 60% — bleibt die zentrale offene Frage.