Regelenergie: neuer Markt entsteht auch für EFH
Flexible Solaranlagen können ein Vielfaches der üblichen Einspeisevergütungen erzielen: Das verspricht ein neues virtuelles Kraftwerk von sun2wheel und convoltas.
Flexible Solaranlagen können ein Vielfaches der üblichen Einspeisevergütungen erzielen: Das verspricht ein neues virtuelles Kraftwerk von sun2wheel und convoltas.
«Profit Plus» bindet neu auch mittelgrosse Solaranlagen in ein virtuelles Kraftwerk ein. Das soll die Rendite einer Anlage um über 20 Prozent steigern. Später sollen auch Solaranlagen von Einfamilienhäusern teilnehmen können.
Was bislang in der Branche als Ärgernis galt, wird zur neuen Einnahmequelle: die Drosselung von Photovoltaikanlagen. Die sun2wheel AG und die convoltas AG zeigen mit einem neuen Vermarktungsmodell, dass flexible PV-Anlagen im Regelenergiemarkt ein Vielfaches der üblichen Einspeisevergütungen erzielen. «Damit wird ein neues Kapitel in der Schweizer Solarwirtschaft aufgeschlagen», versprechen die beiden Unternehmen.
Solaranlagen müssen sich an die aktuellen Gegebenheiten im Netz anpassen: Um Netzüberlastung zu vermeiden, werden heute vor allem Grossanlagen um bis zu 30 Prozent der installierten Leistung gedrosselt. Das entspricht rund 3 Prozent der Jahresproduktion einer Anlage. Anstatt diese Energie selbst zu verbrauchen, können Anlagenbesitzer den ungenutzten Solarstrom weiterverkaufen.
Steuerungs- und Vermarktungssysteme wie «Profit Plus» von sun2wheel und convoltas können diese Drosselungen gezielt managen, wirtschaftlich nutzbar machen oder ganz vermeiden. Das gelingt zum Beispiel, wenn Produktionsspitzen von Photovoltaikanlagen genutzt werden, um Elektrofahrzeuge oder Batteriespeicher aufzuladen.
Die neu entwickelte Technologie bündelt zahlreiche PV-Anlagen in der ganzen Schweiz zu einem grossen virtuellen Kraftwerk. sun2wheel und convoltas vermarkten dieses Potenzial unter dem Namen «Profit Plus» erstmals systematisch. «Bei Stromüberschuss im Netz drosseln wir PV-Anlagen und machen daraus ein lukratives Geschäftsmodell für Anlagenbetreiber», sagt Sandro Schopfer, CEO und Mitbegründer von sun2wheel.
Seit Juni 2025 läuft das System im produktiven Einsatz innerhalb des Pilotprojekts PV4Balancing der Schweizer Übertragungsnetzbetreiberin Swissgrid. Die Resultate sind laut Mitteilung der beiden Firmen «eindrücklich»: Pro installierter Kilowatt Leistung erzielten die Partner rund 10 Franken Zusatzvergütung. Das steigert die Rendite einer Photovoltaikanlage um über 20 Prozent.
Gedrosselt wird der Strom aus Photovoltaik dabei nur für 4 bis 8 Stunden pro Monat, vorwiegend an Wochenenden oder bei wechselhaftem Wetter. «Unsere Kundinnen und Kunden verdienen angesichts sinkender Einspeisetarife mit Flexibilität heute mehr als mit der reinen Einspeisung ins Netz. So ist es nicht verwunderlich, dass wir bereits mehr als 100 Grossanlagen unter Vertrag haben», erklärt Fabian Gloor, Vertriebsleiter von convoltas.
sun2wheel ist nach eigenen Angaben der erste Anbieter, der PV-Anlagen ausserhalb des Pilotprojekts PV4Balancing am Regelenergiemarkt anbieten kann. Möglich wird das durch ein KI-basiertes Verfahren, das zusammen mit Partnern entwickelt wurde. Bisher konnten wegen benötigter Sensoren und des hohen Installationsaufwands nur Grossanlagen vermarktet werden.
Dank der neu entwickelten Software können neu auch mittelgrosse Anlagen zur Vermarktung eingebunden werden. Laut den beiden Unternehmen ist geplant, die Lösung in Zukunft auch für Kleinanlagen von Einfamilienhäusern zu öffnen.