«Der ‹Gap› zwischen dem heutigen Zustand und den angestrebten Zielen ist zu gross. Die Erwartungen an die Strombranche sind extrem hoch, und es benötigt dringend koordinierte Massnahmen», teilten die Veranstalter VSE und electrosuisse im Anschluss an den Kongress mit.
Der Stromkongress begann mit einleitenden Worten von VSE-Präsident Martin Schwab. «Es braucht jetzt die konsequente Umsetzung der gesetzlich festgelegten Stromproduktion aus erneuerbaren Energien mit Fokus auf Winterproduktion und dabei insbesondere auch auf die alleinige Verwendung der knappen Fördermittel für die Produktion im Winter», so der Präsident des VSE und CEO von CKW in seiner Eröffnungsansprache. «Ein beschleunigter Ausbau der Stromnetze zusammen mit einer möglichst guten Integration in Europa und dem Ausbau der Speicherkapazitäten ermöglicht eine günstige, nachhaltige und sichere Stromversorgung. Für die absehbaren Lücken im Winter braucht es Vorbereitungen für den Langzeitbetrieb der Kernkraftwerke und zusätzliche Gaskraftwerke.»
Grenzüberschreitende Argumente
Bernard Fontana, CEO der EDF-Gruppe, betonte die strategischen Herausforderungen und Chancen für den Energiesektor vor dem Hintergrund der zunehmenden Elektrifizierung. Grenzüberschreitende Partnerschaften und die europäische Vernetzung seien für die Gewährleistung der Stabilität und der Versorgungssicherheit in einem sich wandelnden System besonders wichtig.
Diese Fragen standen auch im Mittelpunkt der kontroversen Podiumsdiskussion zum Stromabkommen, an der sich Christoph Brand (CEO von Axpo), die Nationalräte Susanne Vincenz-Stauffacher (FDP/SG), Christian Imark (SVP/SO) und Benoît Gaillard (SP/VD) sowie Jean-Philippe Kohl, Vizedirektor von Swissmem, austauschten, ohne eine gemeinsame Position zu finden.
Die «Diskussion» zeigte exemplarisch die Schwächen der aktuellen Debatte auf. Sie wird von den Amateuren in der Politik ideologisch getrieben: Die Befürworter sprachen von «Strom-Stalinismus» der Stromabkommen-Gegner und von Planwirtschaft, während sich die beiden Vertreter von SVP und SP einig waren, das Stromabkommen abzulehnen. Der eine wegen der «Zuwanderung» (Imark wiederholte das Triggerwort immer wieder), der andere aus patriotischen Gründen.
Das Netz als Eckpfeiler der Energiewende
Werner Luginbühl, Präsident der ElCom, erinnerte im Anschluss an den «Austausch», dass das Stromabkommen einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leistet. Er wies auch darauf hin, dass die Energiewende unterschiedliche und angepasste Instrumente und Mechanismen erfordert: «Die Grundversorgung ist nicht dafür ausgelegt, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu finanzieren.» Ausserdem müsse man sich nach wie vor mittels Gaskraftwerken auf eine mögliche Strommangellage vorbereiten. «Die Kosten, nicht bereit zu sein, wären gigantisch.»
In der Podiumsdiskussion zu den Netzen diskutierten Sylvia Marra (OIKEN), Patrick Bertschy (Romande Energie), Maurice Dierick (RTE) und Nell Reimann (Swissgrid) über die wachsenden Herausforderungen für die Strominfrastruktur. Fazit: Volatile erneuerbare Energien, neue Grossverbraucher wie Rechenzentren, unsichere Bedarfsprognosen, lange Bewilligungsverfahren und fehlende Fachkräfte erschwerten die Planung und Investitionen.
Alle Diskussionen zeigten deutlich, dass der regulatorische Rahmen zunehmenden Druck auf die Branche ausübt. Bei der Podiumsdiskussion zum Stromgesetz betonten Patricia Pastoriza (Multidis) und Michael Grober, CEO von Energie Thun, dass die Umsetzung der neuen Anforderungen erhebliche Ressourcen erfordert und schwer vorhersehbare Kosten verursacht—die letztlich die Verbraucher:innen tragen. Robert Itschner, CEO von BKW, verwies auf die zunehmende Komplexität: «Die Branche erstickt an Regulierungen.»
Zeitalter der Elektrizität
Kontroverse Ansichten wurden an der Podiumsdiskussion zum Thema Solarenergie vorgebracht. Noah Heynen, CEO und Mitbegründer von Helion, appellierte daran, anstelle von Kritik den riesigen Erfolg der Solarenergie zu würdigen, und Martin Schwab betonte in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit von Preissignalen und dass diese bei den Kund:innen ankommen müssen.
Zum Abschluss des Stromkongresses 2026 erinnerte BFE-Direktor Benoît Revaz in Vertretung des erkrankten Bundesrats Albert Rösti, dass das «Age of Electricity» begonnen hat. Revaz hob hervor, dass alle Schweizerinnen und Schweizer vor denselben Herausforderungen stehen, und zitierte Bundesrat Delamuraz: «Die Schweizer stehen früh auf, aber erwachen spät.»