Eine gemeinsame Studie von ETH und PSI – erarbeitet von 19 renommierten Wissenschaftlern – ergibt, dass sich bei den aktuell beobachteten Baukosten von 12’000 Franken pro Kilowatt in den meisten Fällen selbst bei staatlicher Förderung eine Investition in die Atomkraft nicht lohnt. Die Baukosten müssten auf weniger als 5’000 Franken pro Kilowatt sinken.
Gemäss der Studie ist der Bau neuer AKW auch nicht zwingend. Das Netto-Null-Ziel lasse sich auch so erreichen, mit aktuellen Technologien. Wasserkraft, Solarenergie, weitere Erneuerbare und Speicher genügten. Stil: «Ausserdem» wiederholt sich im nächsten Absatz.
AKW kein Ersatz für Importe
In einem künftigen Energiesystem ohne Kernkraft würde die Solarenergie je nach Modell zwischen 36 und 43 TWh Strom liefern, was etwa 50 Prozent des gesamten Stromverbrauchs im Jahr 2050 abdecken würde. Wasserkraft und Photovoltaik würden zusammen rund drei Viertel der Stromversorgung ausmachen und damit das Rückgrat des Systems bilden. Ergänzt würden sie durch Windkraft, Biomasse sowie Speichertechnologien wie Pumpspeicherkraftwerke, chemische Speicher (Wasserstoff und Methan) und Batterien.
Neue AKW könnten jedoch die Stromimporte im Winter verringern, so die Studienautoren – vollständig beseitigen lassen sie sich laut der Studie aber nicht. Die Netto-Stromimporte im Winter könnten je nach Modell zwischen 1 bis 6 TWh geringer ausfallen, was 3 bis 20 Prozent der heutigen Stromerzeugung zwischen Oktober und März entspricht. «Um ein stabiles und bezahlbares Energiesystem aufrechtzuerhalten, ist ein effizienter Stromhandel mit den Nachbarländern auch mit neuen KKW unerlässlich für die Systemflexibilität», folgert ETH-Professor André Bardow. Ausserdem braucht es eine starke staatliche Förderung und eine Absicherung der Betriebsrisiken.
Deutschland: teurer Atomstrom
Laut einer Studie des deutschen Öko-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamts ist die Klimabilanz der Kernkraft zwar gut – auf der Höhe von Photovoltaik und Windkraft –, jedoch schneide sie in allen anderen Punkten schlecht ab. So sei der Preis für die Stromerzeugung mit 15 bis 19 Cent pro kWh deutlich zu hoch.
Eine schnelle Verbreitung der Kernkraft sei zudem ausgeschlossen. Der jährliche Zubau müsste bei 25 bis 30 grossen Atomreaktoren liegen. Die Bauzeit beträgt jedoch mindestens 20 Jahre. Zudem sind die Risiken gross: Die Meeresspiegel steigen, und die Flüsse mit Kühlwasser werden unberechenbarer.