Studie: AKW gefährden Wasserkraft
Erneuerbare ausbauen oder neue Atomkraftwerke bauen? Eine Studie der Fachhochschule Wallis untersucht, wie sich neue AKW auf die Einnahmen der erneuerbaren Energien auswirken würden.
Erneuerbare ausbauen oder neue Atomkraftwerke bauen? Eine Studie der Fachhochschule Wallis untersucht, wie sich neue AKW auf die Einnahmen der erneuerbaren Energien auswirken würden.
Die Schweizer Energiepolitik steht vor der Frage: Soll die Schweiz neue Atomkraftwerke bauen oder die Erneuerbaren ausbauen? Eine Politikfolgenabschätzung der Energiestiftung kam zum Schluss: Beides geht nicht. Eine neue Studie deutet darauf hin, dass insbesondere die Wasserkraft betroffen wäre.
Die Fachhochschule Wallis (HES-SO) hat den Einfluss der AKW-Kosten auf die erneuerbaren Energien untersucht. Die Forschenden um Stéphane Genoud verglichen die Situation mit Spanien: Dort erzeugen Grosskraftwerke wie Wasser- und Gaskraftwerke oder alte AKW etwa 50 Prozent des Stroms, während gleichzeitig ein hoher Anteil an günstigem, aber volatil einspeisendem Solar- und Windstrom besteht.
Ein Zustand, wie er in der Schweiz in 10 bis 15 Jahren zu erwarten ist. Die Forschenden fügten dem Modell zwei neue AKW hinzu. Das Ergebnis: Neue AKW sind nur dann konkurrenzfähig, wenn der Staat nicht nur ihren Bau, sondern auch ihren Betrieb subventioniert. Da es sinnlos wäre, AKW zu bauen, die dann nicht ans Netz gehen, testeten die Forschenden verschiedene Modelle inklusive Subventionen für den Betrieb.
Das Ergebnis: Subventionierte AKW, die das ganze Jahr über produzieren, verdrängen im Modell nicht die günstige Solar- oder Windenergie, sondern vor allem die teurere Wasserkraft, die in der Schweiz 60 Prozent des Strommixes ausmacht. Besonders betroffen wären unflexible Laufwasserkraftwerke, die bis zu 42 Prozent ihrer Einnahmen verlören. Auch Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke würden einbüssen. Insgesamt drohen der Wasserkraft jährliche Verluste von bis zu einer Milliarde Franken.
Die Schlussfolgerung der Forschenden: Will die Schweiz neue AKW, müsste sie deren Betrieb subventionieren – und gleichzeitig die Wasserkraft unterstützen. Zu den Milliarden Franken Baukosten kämen jährlich über eine Milliarde Franken für den Betrieb der Atom- und der Wasserkraftwerke hinzu.
Studie der HES-SO Wallis/Valais: Challenges for hydropower and new nuclear (Englisch)