Die Tarife sinken 2027 voraussichtlich für Haushalt und Gewerbekunden in der Grundversorgung in einem ähnlichen Mass. Die Tarife der 35 EVU, die bereits konkrete Angaben machen konnten, sinken im Median um rund 6 % für H4- und 3 % für H2-Haushaltskunden. Auch die Tarife für C3- und C4-Kunden sinken um 7 % bzw. 4 %.
Der Median für H4-Haushaltskunden liegt gemäss Umfrage für 2027 bei 26,6 Rp./kWh (Vorjahr: 28,6 Rp./kWh). Das ist eine weitere deutliche Abwärtsbewegung seit der Energiekrise, welche durch den Ukrainekrieg ausgelöst wurde: im Jahr 2024 befand sich der Wert noch bei 33,0 Rp./kWh.
Von den 40 teilnehmenden EVU, die den Tarif noch nicht konkret beziffern, aber qualitativ beantworten konnten, meldet die Mehrheit ebenfalls sinkende oder gleichbleibende Stromtarife für das Jahr 2027.
Energiekosten sinken
Die Energietarife sinken je nach Kundengruppe im Durchschnitt um 6 bis 15 % und tragen damit massgeblich zu den tieferen Stromtarifen bei. Hauptgrund für die tieferen Kosten sind rückläufige Preise auf den Stromgrosshandelsmärkten. Zwar führte der Beginn des Irankriegs Ende Februar 2026 zu einem Anstieg der Strompreise auf dem Terminmarkt. Dies schlägt sich aber vorerst kaum in den aktuellen Tarifen nieder. Grund dafür sind die langfristigen Beschaffungsstrategien der EVU, welche in dieser Situation stabilisierend wirken.
Seit Inkrafttreten des Stromgesetzes setzen die EVU noch stärker auf eine längerfristige Beschaffung: 75 % beschaffen die Energie am Markt mehrheitlich langfristig, also zwei bis drei Jahre oder länger im Voraus, während 25 % kürzere Beschaffungsfristen wählen oder eine kurz-, mittel- und langfristige Beschaffung kombinieren. Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben hat die vorwiegend kurzfristige Beschaffung als Strategie an Bedeutung verloren.
Netzkosten bleiben stabil
Die Netztarife für 2027 bleiben im Vergleich zu 2026 im Mittel stabil. Der Tarif für das Verteilnetz ist leicht gestiegen. Der Tarif für das Übertragungsnetz befindet sich im Sinken, denn Engpassmanagement und Systemdienstleistungen funktionieren heute günstiger. Während andererseits der Tarif für das Übertragungsnetz gesunken ist. Davon profitieren sowohl Haushalte als auch Unternehmen. Die Entwicklung der Tarife auf Ebene Verteilnetz hängt stark vom entsprechenden Netzgebiet ab (Investitionen in Verteilnetze wie Netzausbau und Netzverstärkungen).
Die Festlegung der Stromtarife für die Grundversorgung erfolgt nach klaren gesetzlichen Vorgaben. Die definitiven Stromtarife für das Jahr 2027 müssen die rund 580 Grundversorger bis spätestens Ende August ihren Kundinnen und Kunden und der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) melden. Diese veröffentlicht sämtliche Tarife Anfang September.
Der Strompreis setzt sich aus fünf Komponenten zusammen:
- Energietarif: Kosten für den gelieferten Strom
- Netznutzungstarif: Kosten u.a. für Bau, Betrieb und Unterhalt der Stromnetze sowie die Kosten für die inländische Stromreserve und der Tarifzuschlag für solidarisierte Kosten über das Übertragungsnetz. Die solidarisierten Kosten beinhalten die Überbrückungshilfen für Eisen-, Stahl- und Aluminiumproduzenten von strategischer Bedeutung.
- Messtarif: Kosten für den Einbau, Betrieb, Unterhalt und die Ablesung von Stromzählern sowie die Verarbeitung der Messdaten, welche ab 2026 separat auszuweisen sind.
- Abgaben an Kantone und Gemeinden
- Netzzuschlag von 2,3 Rp./kWh u.a. zur Förderung von erneuerbaren Energien. Massgebend für die Höhe des Strompreises sind der Energie- und der Netznutzungstarif.
Im Video erklärt