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Gesellschaft

Die Schweiz lebt gerade von importierter Energie

Die einheimischen Ressourcen reichten laut der Schweizerischen Energiestiftung bis am Montag, 27. April, um den Energiebedarf der Schweiz zu decken.

Nun ist die Schweiz bis zum Jahresende auf importierte Energieträger angewiesen – insbesondere auf Erdöl, Gas und Uran. Das zeigt die aktuelle Berechnung der Schweizerischen Energiestiftung (SES).

Die Schweiz deckt heute rund zwei Drittel ihres Energiebedarfs mit Importen. Dazu zählen sämtliche Erdölprodukte, Erdgas sowie nukleare Brennstoffe. Dafür fliessen jährlich rund sieben Milliarden Franken ins Ausland. Der Energie-Unabhängigkeitstag macht diese Abhängigkeit sichtbar: Er markiert den Zeitpunkt, ab dem die Schweiz rechnerisch vollständig auf Energie aus dem Ausland angewiesen ist.

Schweiz im europäischen Mittelfeld

Mit einer berechneten Energie-Unabhängigkeitsquote von 32,0 Prozent im Jahr 2026 liegt die Schweiz im Vergleich zu den EU-Ländern im Mittelfeld. Spitzenreiter ist mit grossem Abstand Estland mit einer Eigenproduktion von über 97 Prozent. Auch Lettland, Rumänien und Schweden versorgen sich zu über 50 Prozent mit einheimischen Energieträgern. Die Schlusslichter des Vergleichs sind die stark auf Importe angewiesenen Belgien, Luxemburg und Malta mit einer Energie-Unabhängigkeitsquote von unter 12 Prozent.

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Ein grosser Teil der importierten fossilen Energieträger stammt aus politisch instabilen Regionen wie dem Nahen Osten, Vorderasien oder der ehemaligen Sowjetunion und gelangt über EU-Länder in die Schweiz. Die aktuellen Spannungen im Nahen Osten verdeutlichen, wie verletzlich dieses System ist: Konflikte wirken sich direkt auf die Preise, die Verfügbarkeit und die Versorgungssicherheit aus. Auch bei der Atomenergie besteht weiterhin eine Abhängigkeit, etwa von russischem Uran.

Erneuerbare stärken die Unabhängigkeit

In den letzten 25 Jahren hat die Schweiz ihre Energieunabhängigkeit kontinuierlich von unter 20 Prozent auf über 32 Prozent im Jahr 2024 gesteigert – vor allem wegen der abnehmenden Nutzung importierter fossiler Energieträger wie Heizöl und dank steigender Strom- und Wärmeproduktion aus inländischen, erneuerbaren Quellen.

«Um die Versorgung langfristig zu sichern und auch unabhängiger von autoritären Staaten zu werden, sind der konsequente Ausbau der erneuerbaren Energien im Inland und eine enge Zusammenarbeit innerhalb von Europa zentral», sagt Léonore Hälg, Leiterin des Fachbereichs Erneuerbare Energien bei der SES. Die Stiftung fordert in einer Mitteilung das Parlament auf, die Energiewende voranzubringen, das Stromabkommen mit der EU und eine mehrheitsfähige innenpolitische Umsetzung zu verabschieden sowie auf nukleare Abenteuer mit neuen Uran-Abhängigkeiten (Blackout-Initiative und Gegenvorschlag) zu verzichten.