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Volles Haus am zweiten Fachforumtage
@bha
Events und Tagungen

«Die Energiewende findet im Verteilnetz statt»

Zwei Powertage, eine Erkenntnis: Der langsame Energiesystem-Wandel soll durch mehr Daten und bessere Koordination beschleunigt werden. Um den Marktzugang auch für Kleinverbraucher komme man nicht herum. Ein erstes Fazit nach zwei gut besuchten Fachforen. 

Martin Pflugshaupt vom VSE und dem Dachverband Schweizer Verteilnetzbetreiber DSV brachte es bereits am ersten Forumstag der Powertage auf den Punkt: Das Verteilnetz sei die entscheidende Grösse bei der Umwandlung des Energiesystems. 

In der abschliessenden Diskussion war man sich einig: Die Grundversorgung ist zu komplex. Der freie Markt soll auch dann kommen, wenn die Bilateralen III mit dem EU-Stromabkommen scheitern.

Unter dem Patronat des VSE standen die politischen Rahmenbedingungen der Schweizer Stromversorgung für die Transformation des Energiesystems im Fokus. Wie gelingt die Systemintegration erneuerbarer Energien in einem dynamischen regulatorischen Umfeld? Welche politischen Weichen müssen wir heute stellen für die langfristige Versorgungssicherheit der Schweiz? Die Antwort war klar: So wie bisher kann es nicht weitergehen. Am zweiten Tag, unter der Schirmherrschaft von electrosuisse, ging es um die Herausforderungen für die Stromnetze, um PV-Überschuss, Prosumer und die Integration von KI ins Netz.

Falsche Anreize

Die beiden ersten Forumstage von VSE und electrosuisse beleuchteten die Herausforderungen für die Stromversorgung aus einem regulatorischen und einem technischen Blickwinkel. Bastien Grand von Swissgrid skizzierte die Grundlagen, das schnelle Wachstum von Photovoltaik im System und die damit verbundenen Ausbauzwänge. Wohin mit den Überschüssen? Im Rest von Europa scheint ebenfalls die Sonne, somit sind Exporte eher unwahrscheinlich. Urs Meister, Geschäftsführer der ElCom, ortete das Problem in der mangelhaften Integration in die grössere Marktlogik – der Schweizer Markt alleine sei für Energie zu klein. Das Schweizer System könnte laut dem Referenten wesentlich effizienter sein. Als Hauptursache nannte er falsche Anreize. Die anschliessende Diskussion mit allen Referentinnen und Referenten gipfelte in der Antwort auf die Zuschauerfrage, ob die Schweiz bei einem Scheitern des EU-Stromabkommens den Markt dennoch öffnen müsse. Die Runde bejahte.

Selbstbewusst Transparenz wagen

Der zweite Forumstag stand – diese Erkenntnis vorneweg – im Zeichen von Selbstbewusstsein und Zusammenarbeit. Dieter Maurer, ein Vertreter von Siemens Schweiz, stellte eine Lösung für eine bessere Transparenz auf der Netzebene 7 vor, die derzeit von IBC Energie Wasser Chur eingeführt wird. Sein Versprechen: «Transparenz der Energieflüsse und datenbasierte Fakten zum Steuern und Regeln sowie zur Vermeidung von Engpässen.» Besonders stolz ist Gian Paolo Lardi, Geschäftsführer und Verwaltungsrat von Madrisa Solar, eine der wenigen im Rahmen des Solarexpress gebauten alpinen Solaranlagen. Er zeigte detailliert die Erfolgsfaktoren des Projekts, etwa die Integration in eine bereits belastete Landschaft und den frühen Einbezug der Standortgemeinde. Die Investitionskosten betrugen 70 Millionen, nach Abzug der Solarexpress-Förderungen noch 28 – ob sich das 12-MW-Projekt über die geplante Laufzeit von bis zu sechzig Jahren rechnet, steht noch in den Sternen. Sicher ist, das zeigen Lardis Bilder, die Natur hat die Solarfläche bereits wieder in Beschlag genommen. Unter den auf drei bis vier Metern Höhe angebrachten Solarpanels regt sich neues Leben. Interessant auch die gezeigten Zahlen: Der Beitrag der Photovoltaik ist vor allem in schneereicher Zeit deutlich höher als bei einer Vergleichsanlage im Mittelland.

Einfach mal ausprobieren

Matthias Bucher, Digitalisierungs- und Forschungschef von Swissgrid («Strasse und Verkehrsregeln, Navigationssystem, Steuerrad und Systemstabilität: Es braucht für die alpine Kurvenfahrt Anreize, dynamische Tarife und ein ausgebautes Netz 2040 sowie mehr Daten und Koordination»), Roberto Pronini, Direktor der Tessiner AET («Wir zahlen heute Millionen an die Swissgrid»), Peter Cuony von der Groupe E («Die wichtigste Massnahme ist das Abriegeln der PV-Einspeisung») und Benedikt Loepfe, Direktor der EWZ («Eigenverbrauch maximieren mit LEG – derzeit sind 142 LEG in der Stadt Zürich im Aufbau») stellten kurz und prägnant die technischen Herausforderungen vor. In der anschliessenden interaktiven Fragerunde mit dem Publikum wurde rasch klar, dass es auch für die Runde des zweiten Tages um grundlegende Fragen geht, etwa wie viel Photovoltaik man wolle und ob man auf den Regulator warten solle. Die Antwort gaben mehrere der Teilnehmenden gleich selbst: «Wir haben schon viele Instrumente», sagte etwa Benedikt Loepfe. «Produkte sind bereits heute einsetzbar.» Peter Cuony stimmte ihm zu: «Wir sollten einfach ausprobieren, einfach machen.» Netzübergreifende Projekte gibt es laut Matthias Bucher bereits, und so äusserten die Teilnehmenden in der Schlussrunde ähnliche Wünsche für die nahe Zukunft: eine bessere Zusammenarbeit in der Branche und bessere Daten.