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Blick aufs Podium
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Events und Tagungen

Die Zukunft ist und bleibt dezentral

Der dritte Forumsmorgen der Powertage 2026 war den erneuerbaren Energien und den Erkenntnissen aus den ersten Projekten gewidmet.

Wind, Wasser und Sonne: Drei Inputreferate von Werner Jauch, CEO der energieUri-Gruppe (sekundiert von Olivier Waldvogel, Geschäftsleiter Suisse Eole Deutschschweiz), Fernando Binder, Geschäftsführer von fmb-ingenieure.ch, (sekundiert von Martin Bölli, Geschäftsleiter Swiss Small Hydro) und Christian Haueter, Initiator und Verwaltungsrat des Alpinen Solarprojekts Alp Morgeten (sekundiert von Matthias Egli, Geschäftsführer Swissolar), setzten die Eckpfeiler für die anschliessende Diskussion. Neun Erkenntnisse aus dem dritten Powertage-Forum.

Lokale Wertschöpfung ist zentral

EnergieUri hat seit 2006 17 neue Produktionsanlagen realisiert und bereits 165 Millionen Franken investiert. Die lokale Wertschöpfung liegt laut Werner Jauch bei 80 Prozent. Diese Frage wird laut Isabelle Stadelmann, Professorin für Vergleichende Politik, Institut für Politikwissenschaft und Oeschger Center für Klimaforschung, Universität Bern, noch viel zu wenig diskutiert. Damit verbunden auch die Frage der Unabhängigkeit. Sie sprach sich für die Nutzung lokaler Strukturen und die Zusammenarbeit mit «local entrepreneurs» aus. Martin Bölli, Geschäftsführer von Swiss Small Hydro sieht die Schweiz auf Kurs: «Heute ist die Einbindung der lokalen Bevölkerung bei erneuerbaren Energien die Norm.» Ein Zeichen dafür sieht Matthias Egli: «Wir sind positiv überrascht, wie viele lokale Elektrizitätsgemeinschaften gegründet werden. Das hätten wir nicht erwartet.» Der Unterschied zu Grossproduktionen wie AKW liegt für ihn auf der Hand: «Dezentrale Power entsteht, weil jeder selbst ein erneuerbares Projekt starten kann.»

Das Verteilnetz sucht seinen Platz

Die Entwicklung von lokalen Märkten führt zu finanziellen Herausforderungen bei den Verteilnetzbetreibern. «Es findet eine Entsolidarisierung statt», so Werner Jauch. Darum solle in Zukunft jeder einen Beitrag leisten, «denn wir brauchen das Netz in kalten Wochen und Monaten.» Es müsse allen dienen.

Unsicherheit bei Investoren steigt

Die Diskussion zeigte Faktoren auf, die für Unsicherheit sorgen. Dazu zählt etwa die neuerliche AKW-Debatte. Es brauche eine konsistente Strategie. «Das Neue erscheint plötzlich nicht mehr so zwingend», mahnte Isabelle Stadelmann. Daraus ergäben sich Umsetzungsprobleme. Die Umfragen seien klar: Nur für den Weiterbetrieb bestehender AKW gebe es Mehrheiten. Werner Jauch: «Die dauernde Deregulierung ist ein Problem, generiert Aufwand mit wenig Nutzen.» Er konstatierte, die Schweiz sei reformunfähig geworden, das sei auch in anderen Bereichen wie etwa der AHV oder dem Wohnungsbau ersichtlich. «Die Regulierungsdichte verhindert Innovation.»

Ausbau wird unterschätzt

Laut Matthias Egli von Swissolar liegt der Solaranteil am nationalen Strommix aktuell bereits bei 17 Prozent. «In den Medien wird der Fokus leider nur darauf gelegt, was nicht funktioniert.» Ausserdem spreche man zu viel über Nischen wie etwa alpine Photovoltaik. «Der Ausbau wird konstant unterschätzt».

Strommärkte sind wichtiger als AKW

Die Diskussion über neue AKW dürfe man nicht zu wichtig nehmen, so Werner Jauch. Entscheidender sei, was in Europa geschehe. Das Stromabkommen mit der EU sei relevanter als die Frage, ob man ein neues AKW baue oder nicht.

Dreamteam Wasser, Sonne, Wind

Die Referenten und ihre Sekundanten aus den Branchenverbänden waren sich auch in der abschliessenden Diskussion einig: Wasser- und Windkraft sowie Solarenergie ergänzten sich perfekt. «Ein Dreamteam» ist es laut Swissolar-Geschäftsführer Matthias Egli.

Solarexpress ist ein Bummelzug

Für Isabelle Stadelmann ist der Solarexpress als Ausdruck des politischen Willens immer noch wichtig. Christian Haueter, nach seiner Selbstbeschreibung ein «Bergbauer mit hartem Kopf», berichtete über die realen Schwierigkeiten seines eigenen Projekts Alp Morgeten. «Der Solarexpress ist heute ein Hungerzug». Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hätten sich stark verschlechtert. Die Goldgräberstimmung der Anfangszeit sei vorbei. Sein Projekt werde dennoch kommen, obwohl es derzeit juristisch blockiert ist. Er mahnte, dass die Wasserkraft nicht länger über die nächsten 100 Jahre gewährleistet sei. Das Wasser fliesse schneller ab und der Altschnee habe sich im letzten Jahrzehnt um rund die Hälfte reduziert. Dennoch: «Alpine Solaranlagen bleiben mit 5 bis 7 Prozent Anteil Ergänzungsprojekt», so Matthias Egli von Swissolar.

Wasserkraft mit grossem Potenzial im Kleinen

Das restaurierte historische Kleinwasserkraftwerk Obermühle auf dem Areal der Papieri in Cham zeigt auf, wie stark die kleine Wasserkraft sein kann im Verbund mit anderen Produktionstechnologien. Fernando Binder, Geschäftsführer fmb-ingenieure.ch, stellte das Projekt vor und hielt fest: «Es braucht zum Gelingen eine visionäre Bauherrschaft». Das Wasserkraftwerk liefert gleichviel Strom wie die auf dem Areal installierte Photovoltaik. Martin Bölli wies auf das grosse Potenzial an vielen Standorten ehemaliger Wasserkraftwerke hin: Die Kleinwasserkraft sei gut mit anderen erneuerbaren Energien kombinierbar.

Windenergieparks in der Schweiz sind klein

Derzeit verfügt der grösste Windpark der Schweiz über 16 Anlagen, ein grösserer mit 19 sei im Bewilligungsverfahren, so Olivier Waldvogel vom Branchenverband Suisse Eole. Windparks in der Schweiz umfassten drei bis acht Anlagen. Werner Jauch, Geschäftsführer von energieUri wies darauf hin, dass es somit schwierig sei, überhaupt noch Lieferanten zu finden. Diese konzentrierten sich auf Grossprojekte. Die beiden Anlagen des Windparks Uri produzieren seit einigen Monaten mit einer Gesamtleistung von 4,6 Megawatt jährlich über 8 Gigawattstunden Strom – mit einem Winteranteil von 60 Prozent.