Superzellen-Gewitter zählen zu den gefährlichsten Wetterphänomenen Europas. Diese besonders intensiven Gewitterzellen treten meistens im Sommer auf. Sie zeichnen sich durch einen rotierenden Aufwind, also aufsteigende, warme, feuchte Luft aus und bringen heftige Windböen, grossen Hagel und starke Regenfälle mit sich. Superzellen-Gewitter führen regelmässig zu erheblichen Sachschäden, Ernteverlusten, Verkehrsproblemen und zu Verletzungen oder sogar Todesfällen.
Sturmkarte
Einem Team von Forschenden vom Geographischen Institut, dem Oeschger-Zentrum für Klimaforschung und dem Mobiliar Lab für Naturrisiken an der Universität Bern sowie dem Institut für Atmosphären- und Klimawissenschaften der ETH Zürich ist es nun gelungen, die Häufigkeit dieser Stürme in Europa so detailliert zu simulieren wie noch nie. Die Forschenden erstellten dazu eine hochauflösende digitale Sturmkarte, die einzelne Gewitterzellen viel präziser darstellen kann als bisher möglich.
Die Ergebnisse der kürzlich in der Fachzeitschrift Sciences Advances veröffentlichten Studie zeigen: Der Alpenraum und Teile Zentral- und Osteuropas müssen sich auf deutlich häufigere Stürme einstellen – insbesondere auf der Alpennordseite könnten Superzellen-Gewitter um bis zu 50 Prozent zunehmen. Dies bei einem Erwärmungsszenario von 3 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Mittel.
Genauere Vorhersagen nötig
Insbesondere zeigt die Simulation einen «Hotspot» für Superzellen-Gewitter über den Alpen. Diese Häufung entspricht den Beobachtungen, mit rund 38 simulierten Superzellen-Gewittern pro Saison am Alpennord- und 61 am Alpensüdhang. Bei einer Erderwärmung von 3 Grad Celsius gegenüber dem langjährigen Mittel werden sie sich auch weiterhin im Alpenraum ballen. An der Alpennordseite sind demnach bis zu 52 Prozent mehr Stürme zu erwarten; südlich der Alpen um bis zu 36 Prozent.
Das Projekt trägt dazu bei, Superzellen-Gewitter genauer vorhersagen zu können. Obwohl sie nur einen Bruchteil aller Gewitter ausmachen, geht von ihnen ein Grossteil der Gewittergefahren aus - eine Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft.